SkaⓋoluzzer

"Save the Earth, it's the only planet with Chocolate!"

Montag, 5. Juli 2010

Helden ihrer Zeit #2 - Paul Watson

Vorbilder für Generationen


Paul Watson (* 2. Dezember 1950)

Am 26. Dezember 1992 kletterte der Mann mit dem Codenamen „Agent 13“ an Bord des Walfängers „Nybroena“. Unbewacht lag der Pott im norwegischen Hafen Stein. Die Mission des Saboteurs: das Schiff versenken, um die Öffentlichkeit auf den noch immer betriebenen, international geächteten Walfang Norwegens aufmerksam zu machen.

Im Maschinenraum öffnete „Agent 13“ die Einlaßventile des Kühlsystems. Ganz langsam soff die „Nybroena“ ab. Schaden: 100 000 Dollar.

„Natürlich sind meine Aktionen gefährlich. Aber was ist falsch daran, sein Leben zu riskieren?“ Paul Watson spricht diese Sätze gelassen aus. Mit seiner sanften Stimme könnte er für Waschmittel werben. Aber seine Sprache wird von den Walschlächtern und illegalen Treibnetzfischern weltweit verstanden.

Denn Watson hat ihnen den Kampf angesagt: Dreizehn Schiffe versenkte oder beschädigte der 43jährige Öko-Rambo bislang; Dutzende Kilometer von ihm gekappter Treibnetze liegen unschädlich gemacht auf dem Meeresgrund. Sea Shepherd, Meereshüter, nennt Watson seine Umweltschutz- organisation. Und über seinen Öko-Geheimdienst ORCAFORCE („Wir sind die CIA des Meeres.“) bekommt er sofort mit, wenn es den Meerestieren irgendwo wieder an den Kragen gehen soll. Gern nennt sich Watson „Umweltpolizei“. Er dokumentiert illegalen Delphinfang, Robbenschlachten und befolgt wörtlich die UNO-Natur-Charta von 1982. Die Charta fordert Staaten, aber auch internationale Organisationen und einzelne auf, für den Schutz der Umwelt zu sorgen. Artikel 21e erlaubt ausdrücklich „Aktionen zur Rettung der Natur in Gebieten, die nicht dem Gesetz eines Landes unterliegen“.

Beinah so wie Sir Francis Drake hat Watson einen Kaperbrief im Namen der Königin Umwelt. Mit diesem Freibrief für die gute Sache im Rücken passiert ihm nicht einmal dann etwas, wenn er mit seinen Tauchern im Hafen von Reykjavík die halbe isländische Walfangflotte versenkt. So geschehen im November 1986. Als sich Watson den isländischen Behörden stellte, setzte man ihn ins nächste Flugzeug. Denn die letzten illegalen Walfangnationen scheuen die Öffentlichkeit und das Medieninteresse wie die Pest. „Kriminelle gehen nun einmal nicht gern vor den Richter“, freut sich Watson.

Die Rechtslage ist eindeutig auf seiner Seite: 1982 verbot die International Whaling Commission (IWC), unterstützt von der UNO, den kommerziellen Walfang. Doch trotz aller Beteuerungen und Versprechen geht das Schlachten weiter. Unter verdeckter Flagge wird gejagt, was die Meere hergeben.

Seit 1991 sind Treibnetze verboten. Das weiß auch Japan. In den Medien dort hat Watson als „Samurai der Meere“ Berühmtheit erlangt. Aber das heißt noch lange nicht, daß man im Land der aufgehenden Sonne auf Wal- und Delphinfleisch verzichten will. So leugnet man hartnäckig, mit der Treibnetzmethode die Meere zu durchpflügen. Aber Watson hat Beweise:

Im März 1992 umkreiste er drei japanische Schiffe, die gerade dabei waren, ihre Treibnetze auszubringen. Nachdem der Öko-Pirat alles auf Video aufgenommen hatte, rammte er die verschreckten Japaner mit seinem pechschwarzen Schiff „Sea Shepherd II“. Ausrüstung für zwei Millionen Dollar ging den Söhnen Nippons zu Bruch.

Verwirrt fragte der japanische Kapitän per Funk an, warum man sie gerammt habe. Antwort Watsons: „Weil ihr zu viele Delphine, Fische und Seevögel tötet – und weil ihr uns mit der Bezeichnung Greenpeace beleidigt habt.“ Auf die ist Kapitän Watson nicht gut zu sprechen. Obwohl er einer der Mitgründer von Greenpeace war, flog der Meereshüter bei den Umweltschützern raus. Begründung: Seine Aktionen seien zu radikal. „Kompromißlos“ nennt es Watson.

Der Kapitän sieht sich als Bodyguard der Wale. „Andere schützen mit ihrem Leben Könige – warum soll ich nicht dasselbe für die bedrohten Wale tun?“ Seine Beziehung zu diesen größten Säugetieren der Welt hat geradezu mystischen Ursprung: 1973 wurde das Indianervolk der Sioux bei einer Protestversammlung am Wounded Knee in South Dakota von einem dichten Ring aus FBI-Männern eingeschlossen.

Kurzerhand entschloß sich Watson mit einem Freund, den belagerten Sioux zu Hilfe zu kommen. Und wirklich – er konnte sich durch die FBI- Linien schlagen. Das beeindruckte die Indianer derart, daß sie Watson adoptierten. Zur Besiegelung wurden die beiden zu einem heiligen Ritus in die Schwitzhütte mitgenommen. Bei glühender Hitze und völliger Dunkelheit sah Watson seine Bestimmung; er sollte zum Beschützer der Meerestiere, besonders der Wale, werden.

Damit machte er gleich Ernst: Mit dem Schlauchboot fuhr er zwischen die Harpunen der Walfänger und die gejagten Riesensäuger. Als er Robbenbabys mit Farbe besprühte, wäre er von den kanadischen Heulerschlächtern um ein Haar gelyncht worden. Seitdem Watson seine eigene Organisation gründete, wandelt er auf dem schmalen Pfad zwischen legal und illegal, zwischen Gewalt und Gewalt-losigkeit. Doch bis heute ist kein Mensch durch Watson verletzt worden.

28 000 Mitglieder hat Sea Shepherd heute – Tendenz stark steigend. Rund eine Million Mark Spenden werden jährlich verplant. Seine Glaubwürdigkeit unterstreicht der Kapitän damit, daß er keinen einzigen Spendengroschen für Sea Shepherd selbst verwendet. Im Gegenteil. Er spendet jährlich zehn- bis zwanzigtausend Dollar – „andere zahlen das eben in ihren Golfclub ein“. Sein Geld verdient er mit Vorlesungen an Universitäten und als Autor. Mit der Summe, die die Warner Brother Studios für die Filmrechte an seiner ersten Versenk-Aktion bezahlten, kaufte er gleich ein neues Schiff.

Der Stoff für Hollywood: Im Juli 1979 rammte er den Walfänger „Sierra“. Nachdem der Kahn für eine Million Dollar repariert worden war, versenkten die Walschützer das Schiff im Hafen von Lissabon. Einen Abend, bevor es wieder auslaufen sollte.

********************************************************************

Paul Watson plädiert dafür, dass menschliche Gemeinschaften (Städte) nicht mehr als 20.000 Menschen umfassen und durch weiträumige Wildgebiete getrennt sein sollten. Seiner Ansicht nach hat die menschliche Population die globale Tragfähigkeit schon lange erheblich überschritten. Die Menschen produzierten unglaubliche Mengen von festen, flüssigen und gasförmigen Abfällen und beuteten den Planeten und die Rohstoffe der Natur rücksichtslos aus. Er ist der Ansicht, dass die biologische Vielfalt durch Überfischung, Verschmutzung, Vergiftung und landwirtschaftliche Monokulturen bedroht sei. Seine weiteren Kritikpunkte sind die weltweite Zersiedelung der Landschaft, die Versauerung der Meere, die Zerstörung der Ozonschicht, die globale Erwärmung und der Klimawandel. Watson prangert das weltweite Artensterben an.

Er fordert die Anerkennung anderer Arten als Mit- und Erdenbürger. Deshalb brauche die Erde nach seiner Meinung für ihre Gesundung große Gebiete, in denen keine Menschen leben und sie nicht in die Natur eingreifen. Er plädiert dafür, mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe aufzuhören. Statt dessen sollte die Menschheit nur Wind, Wasser und Sonne für die Erzeugung von Energie nutzen. Schiffe sollten mit Segeln und Wind angetrieben werden. Nahrungserzeugnisse sollten vor Ort produziert und nicht durch die halbe Welt geschickt werden. Watson plädiert dafür, die riesigen Herden von Kühen und Schafen wegen ihres Methanausstoßes abzuschaffen und diese durch Bisons und Karibus zu ersetzen. Die Menschen sollten sich möglichst vegetarisch ernähren.

Watson plädiert weiterhin für ein Wirtschaftssystem, in dem alle Menschen einen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung haben, ohne die Welt und ihre Ressourcen auszubeuten. Deshalb schlägt er vor, die Menschheit radikal auf eine Milliarde Individuen zu reduzieren und nur denjenigen Nachwuchs zu erlauben, die sich völlig ihrer Verantwortung für das Wohlergehen der Welt hingeben. Er sieht den Menschen als Virus der Biosphäre, der wie Krebs mit radikalen und invasiven Mitteln bekämpft werden müsse.

Paul Watson gilt in manchen Ländern als Staatsfeind und Umweltterrorist, während seine Anhänger ihn dagegen als Helden und Retter der bedrohten Meerestiere feiern.

Zitat von Chefmaschinist Jeremy Coon: „Ich glaube an den Käpten, und wenn ich sterbe, weiß ich, dass ich was Gutes getan habe.“

Der kanadische Schriftsteller Farley Mowat bezeichnete Watson als den „entschlossensten und effektivsten Schützer der Meerestiere“.

Das Time Magazine ernannte ihn im Jahr 2000 zu einem der Umwelthelden des zwanzigsten Jahrhunderts

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Seiten